Wie ernähre ich mich richtig oder so, dass es mir besser geht

Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) führt die meisten Betroffenen zu der Frage: Wie soll ich mich ernähren? Kann ich mit einer bestimmten Diät den Verlauf der Erkrankung beeinflussen?

Die Bedeutung von Ernährungsfaktoren für Unterhaltung und Auslösung von CED ist seit langem Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung. Die folgenden Substanzen aus der Nahrung wurden als Verursacher diskutiert:

Milcheiweiß: Eine schädigende Wirkung konnte nicht nachgewiesen werden. Die Unverträglichkeit von Kuhmilch ist in den meisten Fällen auf eine Milchzuckerunverträglichkeit zurückzuführen.

Hoher Zuckerkonsum, wenig Ballaststoffe: Der hohe Konsum von Industriezucker bei Morbus Crohn-Erkrankten konnte nicht als Ursache für die Entstehung von CED bestätigt werden. Dies gilt auch für den Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung.

Gehärtete Fette: Auch die negative Wirkung chemisch aufbereiteter Fette ließ sich bisher nicht bestätigen. Es wird aber empfohlen, vorsichtshalber auf diese Fette zu verzichten.

Lebensmittelzusatzstoffe (Carrageen): Carrageen (Stabilisator E 407) erwies sich im Tierversuch als darmschädigende Substanz, beim Menschen allerdings nicht.

Nahrungsmittelallergien: Eine erhöhte Antikörperbildung gegen bestimmte Nahrungsmittel im Blutserum bei CED-Betroffenen wird mit der vermehrten Durchlässigkeit der entzündeten Darmwand erklärt.

Nach wie vor spricht vieles dafür, dass Nahrungsmittelinhaltsstoffe/ -zusatzstoffe mit auslösende Faktoren bei der Entstehung von CED sind. Es lässt sich aber aus den bisherigen wissenschaftlichen Studien keine Ernährungsform ableiten, die für alle Betroffenen Gültigkeit hat.

Ernährungsempfehlungen bei CED sind individuell, denn die Ausgangslage ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Und sie sind bezogen auf die Probleme und Beschwerden, die gerade im Vordergrund stehen, wie z.B. ein akuter Entzündungsschub, starke Durchfälle, Untergewicht, Mangelzustände, Stenosen, Unverträglichkeiten ...

Richtschnur für jede Situation ist die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit allen Nährstoffen und die Ermittlung individueller Unverträglichkeiten.

 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten ermitteln

Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielen bei vielen Betroffenen eine erhebliche Rolle. Sie sind individuell unterschiedlich und müssen von jedem Betroffenen erst ermittelt werden. Das Streichen unverträglicher Nahrungsmittel aus dem Speiseplan führt oft zu einer merklichen Verbesserung der Lebensqualität.

Einige Betroffene können relativ schnell feststellen, welche Lebensmittel und Zubereitungsformen für sie schlecht verträglich sind. Bauchschmerzen, Durchfälle und Blähungen lassen sich für sie eindeutig mit dem Genuss bestimmter Speisen in Zusammenhang bringen.

Aber nicht immer lassen sich Unverträglichkeiten so leicht identifizieren. Hilfreich ist in diesen Fällen das Führen eines Ernährungs- und Beschwerdentagebuchs. Ein anderer, allerdings etwas langwierigerer Weg ist die Ausschlussdiät: Ausgehend von einer „Basiskost“ mit gut verträglichen Nahrungsmitteln nimmt man alle zwei bis drei Tage ein neues Nahrungsmittel in den Speiseplan auf und testet so, ob man es verträgt.

 

Kohlenhydratmalabsorptionen: Milchzucker- , Fruchtzucker- und Sorbitunverträglichkeit

Im Verlauf einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung treten oft Verdauungsstörungen auf, die erst in zweiter Linie mit der Erkrankung zu tun haben. Dazu gehören die Kohlenhydratunverträglichkeiten, am häufigsten vertreten als Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktose). Diese Störungen können durch einen Funktionstest (H2-Atemtest) diagnostiziert werden.

 

Ernährung in Phasen starker Krankheitsaktivität

In dieser Zeit ist es besonders wichtig, den Körper mit ausreichend Energie, Nährstoffen und Flüssigkeit zu versorgen, denn der Organismus befindet sich in einem Stresszustand. Gleichzeitig muss man der Empfindlichkeit und verminderten Leistungsfähigkeit des Verdauungstraktes Rechnung tragen. Die Ernährung erfolgt manchmal ausschließlich, manchmal auch ergänzend durch „künstliche“ Nahrung (über die Vene oder in Form von Trinknahrung). Das „normale“ Essen sollte eher weichgegart oder püriert sein (Babykost), fettarm und arm an Ballaststoffen, viel Kräutertee oder Wasser enthalten und in häufigen kleinen Mahlzeiten eingenommen werden. Man kann den Nährstoffanteil erhöhen durch Eiweißkonzentrat (laktosefrei) oder Maltodextrin 19 ® (Maisstärke).

Hier eine Orientierung für die Lebensmittelauswahl:

  • zartes, mageres Geflügel, magerer Fisch
  • milder Naturjoghurt, Dickmilch, Magerquark
  • Tofu (Sojaquark)
  • Brei aus feinen Getreideflocken, Gries
  • altbackenes Weizenbrot, Zwieback, Knäckebrot
  • Gemüsebrühe, Möhren, Zucchini, Spinat, Spargelspitzen, Broccoli
  • Kartoffelbrei (ohne Milch), Reis
  • reife gedünstete Äpfel, Bananenmus
  • geringe Mengen Halbfettmargarine oder Butter, kein stark erhitztes Fett, evtl. MCT-Fette

 

Ernährung in Phasen schwacher Krankheitsaktivität

In dieser Zeit ist es zum einen wichtig, die persönlichen Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln und Zubereitungsformen zu berücksichtigen. Außerdem sollte man zurückhaltend sein mit Nahrungsmitteln, die den Darm zu sehr belasten oder reizen könnten, z.B.

  • blähendem Gemüse (Kohl, Hülsenfrüchte)
  • fettreichen Speisen
  • scharfen Gewürzen
  • groben Vollkornbroten und Müslis
  • viel Säurehaltigem (Zitronen, Orangen, Orangensaft)
  • viel Zuckerhaltigem (auch Limonaden und Cola)
  • sehr kalten und sehr heißen Speisen

Zum anderen sollte auch in dieser Zeit die Versorgung mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen sichergestellt werden. Die Ernährung sollte ausgewogen und vielseitig sein, wenig Fertigprodukte enthalten und insgesamt eher sanft und schonend sein. Mit einer hochwertigen, auf die individuellen Gegebenheiten abgestimmten Ernährung und möglichst regelmäßigen, entspannten Mahlzeiten können Betroffene Beschwerden mildern, mehr Vitalität gewinnen und die Selbstheilungskräfte unterstützen.

Hier noch kurz zwei Beispiele für den Umgang mit Durchfällen und Blähungen:

 

Auf besondere Probleme angemessen reagieren: Durchfälle

Nicht immer ist eine starke Entzündung für Durchfälle verantwortlich. Auch Unverträglichkeiten, eine gestörte Fettverdauung, aber auch bakterielle Infektionen und Aufregung/Überforderung können die Ursache sein. Wichtig ist, die jeweiligen Gründe herauszufinden, damit man angemessen reagieren kann.

Allgemeine Empfehlungen bei Durchfall:

  • viel Flüssigkeit
  • schonend essen
  • „anregende“ Getränke meiden
  • Essen und Trinken trennen
  • „eindickende“ Speisen bevorzugen (Pektin, Haferkleie, indische Flohsamenschalen)

Bei starken wässerigen Durchfällen kann man die Verluste von Flüssigkeit und Mineralstoffen mit Glukose-Elektrolyt-Gemischen (z.B. Elotrans®, Saltadol®, D-iso-ratiopharm® ) ausgleichen. Hat man kein Präparat zur Hand, kann man es auch versuchen mit

  • Reistee mit (Trauben-)Zucker und Salz
  • einer Tasse Tee mit 1 TL (Trauben-)Zucker und einer Prise Salz
  • Kartoffelbrei (ohne Milch) mit Möhren
  • Gesüßter Hirsebrei mit Salz

 

Auf besondere Probleme angemessen reagieren: Blähungen

Auch Blähungen können unterschiedliche Ursachen haben. Bei länger anhaltenden Beschwerden sollte man klären, ob eine Unverträglichkeit (z.B. von Milchzucker) oder eine bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms dafür verantwortlich ist.

Ansonsten gelten die folgenden Nahrungsmittel als blähend:

  • Kohl, Hülsenfrüchte
  • Zwiebeln, Knoblauch
  • frisches Brot
  • fettreiche Speisen
  • Eier
  • Vollkorn mit Zucker
  • Kaffee, kohlensäurereiche Getränke
  • Milch

Neben dem Weglassen der unverträglichen Lebensmittel kann gegen Blähungen helfen:

  • Heidelbeer-, Preißelbeerdicksaft
  • Naturjoghurt (außer bei Milchzuckerunverträglichkeit)
  • Kümmel, Fenchel, Anis, Pfefferminze
  • pektinreiche Lebensmittel
  • Zucker stark reduzieren
  • Ballaststoffanteil reduzieren
  • viel trinken
  • regelmäßige, ruhige Mahlzeiten
  • körperliche Bewegung
  • Entspannung und Wärme

 

Ein paar Worte zum Schluss

Dies ist nur ein kurzer Ausschnitt aus den Orientierungspunkten zur Ernährung bei CED. Um den eigenen Weg zu finden, ist oft eine ausführlichere Hilfe nötig. Und manchmal hat man auch Glück und muss sich trotz der Erkrankung wenig beim Essen einschränken.